
Auf der Suche nach Heimat und das Finden von Gemeinschaft
- René Hope
- 3. März
- 3 Min. Lesezeit
Nach meinen Reisen um die halbe Welt spüre ich deutlicher denn je, dass ich nicht auf der Flucht bin, sondern auf Entdeckungsreise. Die Welt ist weit, vielfältig, voller Wunder - und ich liebe es, sie zu erkunden. Neue Landschaften, andere Kulturen, verschiedene Formen des Zusammenlebens haben meinen Horizont geöffnet. Und doch wächst parallel zu dieser Freude am Unterwegssein ein ebenso klarer Wunsch: einen Ort zu finden, zu dem ich immer wieder gerne zurückkehre. Einen Ort, an dem vertraute Gesichter warten. Menschen, die ähnliche Werte tragen. Eine Gemeinschaft, die nicht einengt, sondern stärkt.
Als Umweltingenieur wurde irgendwann die Diskrepanz zwischen dem, was ich tat, und dem, was ich innerlich als sinnvoll empfand, zu groß. Ich habe meinen Vertrag gekündigt - nicht aus Frustration, sondern aus Konsequenz. Wenn ich meine Lebenszeit investiere, dann möchte ich zu etwas beitragen, das in mir Resonanz erzeugt. Etwas, das trägt. Gerne auch ganz praktisch, mit meinen Händen, mit Erde unter den Fingernägeln, mit sichtbaren Ergebnissen.
In den vergangenen zehn Jahren habe ich immer wieder auf ökologischen Höfen mitgearbeitet und unterschiedliche Formen gemeinschaftlichen Lebens kennengelernt. Zwei Jahre war ich Teil einer Solidarischen Landwirtschaft. Ein Permakulturkurs hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie stimmig es sich anfühlt, natürliche Kreisläufe nicht nur zu respektieren, sondern aktiv mitzugestalten. Permakultur ist für mich weit mehr als eine Anbaumethode; sie ist eine Haltung. Beobachten statt kontrollieren. Kooperieren statt dominieren. Vielfalt fördern statt vereinheitlichen.
Ich bin gerne in der Natur, so oft es möglich ist. Wälder, Tiere, offene Landschaften - sie erinnern mich daran, wie klar und einfach Leben im Kern sein kann. Meine Reise ist dabei nicht nur eine äußere. Es ist auch eine Reise zu mehr Bewusstheit, zu einer vertieften Verbindung mit Mutter Natur und mit dem schöpferischen Prinzip, das allem innewohnt. Gerade in herausfordernden Zeiten habe ich viel gelernt und bin innerlich gewachsen. Dafür empfinde ich Dankbarkeit.
Mit 50 Jahren empfinde ich das als kraftvollen Ausgangspunkt. Es ist eine gute Zeit, um noch einmal neu zu beginnen - bewusster, freier und klarer als mit 30. Ich bringe Erfahrung mit, beruflich wie menschlich. Ich sehe mich als intuitiv, empathisch, zuverlässig, engagiert, teamfähig und ehrlich. Und ich weiß inzwischen auch um die Bedeutung der zwischenmenschlichen Ebene in Gemeinschaftsprozessen. Visionen allein reichen nicht. Vertrauen, Kommunikation und die Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung sind das Fundament.
Meine Suche richtet sich eher ins europäische Ausland - Portugal, Galizien in Spanien, die Maremma in Italien oder auch Ungarn sprechen mich besonders an. Vielleicht wegen des Klimas, vielleicht wegen der Weite, vielleicht wegen der dort bereits gewachsenen Projekte. Gleichzeitig bin ich offen, wenn sich ein Ort stimmig anfühlt. Letztlich geht es weniger um Geografie als um Resonanz.
Was ich mir wünsche, ist eine Gemeinschaft, in der individuelle Begabungen sich ergänzen und gegenseitig stärken. Ein friedvolles, respektvolles Miteinander zwischen Mensch, Tier und Natur. Raum für Rückzug in seinem eigenen Reich ebenso wie für gemeinschaftliche Aktivitäten. Eine möglichst naturnahe Landwirtschaft, gerne auf Basis von Permakultur. Tierhaltung darf ihren Platz haben - aus Wertschätzung und Verbundenheit, nicht aus bloßer Nutzung. Vielleicht entstehen auf einem solchen Gelände Jurten, Tiny Houses oder andere einfache Wohnformen. Vielleicht gibt es ein kleines Café. Vielleicht gibt es eine Wiese für vorbei ziehende Camper. Vielleicht gibt es Angebote für Kinder und Jugendliche, um ihnen die Natur wieder unmittelbar erfahrbar zu machen - durch Wildniskurse, gemeinsames Lernen im Freien, echtes Erleben statt abstrakter Theorie.
Meine beiden Kinder leben derzeit in Neuseeland. Ich wünsche mir, dass sie eines Tages einen Ort vorfinden, an dem Gemeinschaft tatsächlich gelebt wird und an dem sie sich willkommen fühlen, wenn sie Zeit mit mir verbringen. Auch das ist Teil meiner Vision: einen stabilen, lebendigen Platz zu gestalten, der offen ist für Verbindung.
Ich suche keine perfekte Utopie. Ich suche Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen - für sich selbst und für das gemeinsame Ganze. Menschen, die ihre individuellen Kräfte bündeln wollen, um etwas Zukunftsfähiges aufzubauen. Gemeinschaft bedeutet für mich nicht Verschmelzung, sondern bewusstes Miteinander. Unterschiedlichkeit darf sein, solange die Grundwerte geteilt werden.
Vielleicht ist dieses Schreiben bereits ein Teil des Findens. Sichtbar zu machen, was innerlich gereift ist. Klar auszusprechen, wofür ich stehe und wohin ich mich bewege. Die Welt zu entdecken und gleichzeitig einen Ort zu schaffen, an dem man immer wieder ankommt - das schließt sich nicht aus. Im Gegenteil: Vielleicht entsteht Heimat genau dort, wo Entdeckungsfreude und Verwurzelung sich die Hand reichen.
Wenn du dich hier wieder findest, freue ich mich auf eine Nachricht mit deiner Vision.


