Neustart Balkan - Zwischen Beton, Bergen und offenen Fragen
- René Hope
- 9. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Reise viel weniger damit zu tun hat, einen neuen Ort zu finden, als vielmehr damit, herauszufinden, wie ich eigentlich leben möchte.
Je länger ich unterwegs bin, desto klarer wird mir, dass ich ganz am Anfang stehe. Nicht an dem Punkt, an dem bereits konkrete Entscheidungen getroffen werden. Nicht an dem Punkt, an dem schon feststeht, wo die Reise endet. Sondern an dem Punkt davor. Dort, wo man beginnt, genauer hinzusehen.
Aktuell verbringe ich viel Zeit rund um Vlorë in Albanien. Und diese Gegend hinterlässt gemischte Gefühle in mir. Einerseits ist die Landschaft beeindruckend. Das Meer, die Berge im Hintergrund, das mediterrane Klima - all das hat etwas, das schwer zu beschreiben ist. Gleichzeitig entsteht hier gerade etwas, das mich nachdenklich macht.
Es wird gebaut. Überall.
Neue Hotels. Apartmentanlagen. Beton. Teilweise wirkt es fast so, als würde jeder freie Zentimeter entlang der Küste möglichst schnell verwertet werden. Und ich frage mich immer öfter, wie nachhaltig diese Entwicklung eigentlich wirklich ist. Geht es hier darum, langfristig etwas Wertiges aufzubauen? Oder geht es vor allem um schnellen Profit, solange der Boom anhält?
Besonders seltsam wird es, sobald man sich etwas von der Küste entfernt. Nur wenige Minuten weiter im Hinterland tauchen plötzlich unfertige Rohbauten auf. Verlassene Gebäude. Angefangene Projekte, die nie beendet wurden. Fensterlose Betonhüllen mitten in der Landschaft. Und niemand scheint genau zu wissen, warum sie dort stehen. Vielleicht alte Projekte aus einer anderen Zeit. Vielleicht ging das Geld aus. Vielleicht verschwanden die Investoren. Vielleicht wird man die Wahrheit nie ganz erfahren.
Ich merke immer mehr, dass genau diese Widersprüche das Spannende an dieser Reise sind.
Denn ich suche nicht einfach irgendein Apartment am Meer. Und ich suche auch kein perfektes Auswandererparadies. Eigentlich suche ich etwas viel Schwierigeres: einen Ort mit Substanz. Einen Ort, an dem man nicht nur wohnen, sondern wirklich leben kann.
Dabei wird mir auch klar, wie unterschiedlich die Möglichkeiten sind. Serbien habe ich beispielsweise noch lange nicht ausgeschlossen. Wenn überhaupt, dann wäre Novi Sad für mich interessant – eher eine lebendige Stadt als völlige Abgeschiedenheit in den Bergen. Denn auch wenn ich die Natur liebe, möchte ich nicht komplett von allem abgeschnitten sein.
Zwischen all diesen Gedanken gibt es aber immer wieder Momente, die mich daran erinnern, warum ich überhaupt losgezogen bin.
Ein stiller Bergsee irgendwo in Serbien, in dem sich die umliegenden Berge spiegeln, als hätte jemand die Landschaft verdoppelt.
Eine gewaltige Quelle in den Bergen Montenegros, aus der glasklares Wasser direkt aus den Felsen tritt, während im Hintergrund noch Schnee auf den Gipfeln liegt.
Und zuletzt die albanischen Alpen im Frühling. Blühende Obstbäume vor sattgrünen Wiesen, dahinter schneebedeckte Berge. Ein Bild, das fast unwirklich wirkt, weil Winter und Frühling gleichzeitig existieren.
Vielleicht besteht genau darin der eigentliche Wert dieser Reise: nicht darin, möglichst schnell anzukommen, sondern darin, wieder zu lernen, genauer hinzusehen.
Denn je länger ich unterwegs bin, desto mehr merke ich, dass ein echter Neuanfang nicht nur mit einer perfekten Entscheidung beginnt. Sondern mit der Bereitschaft, überhaupt wieder ehrlich zu fragen, was man wirklich will.
Denkst auch du darüber nach auszuwandern, kommst aber seit Monaten oder Jahren zu keiner klaren Entscheidung? Genau dafür habe ich einen klaren Entscheidungs-Kompass für Menschen entwickelt, die zwischen Bleiben und Gehen feststecken. Dieser Kurs hilft dir nicht, mehr Optionen zu sehen, sondern eine ehrliche Entscheidung zu treffen.

